15 Performance-Fehler, die Apps unbrauchbar machen

15 Performance-Fehler, die Apps unbrauchbar machen

Stellen Sie sich vor, Sie laden eine neue, vielversprechende Anwendung herunter, die Ihnen das Leben erleichtern soll. Die Icons sind schick, die Beschreibung liest sich vielversprechend, und Sie freuen sich auf die neue Funktionalität. Doch dann beginnt das Dilemma: Die App lädt ewig, reagiert träge auf Ihre Eingaben oder stürzt sogar mitten in der Nutzung ab. Frustration macht sich breit, und statt die versprochenen Vorteile zu genießen, verbringen Sie wertvolle Zeit damit, auf eine Reaktion zu warten oder die Anwendung immer wieder neu zu starten. Solche Erlebnisse sind leider keine Seltenheit und führen dazu, dass selbst die innovativsten Ideen in den Tiefen des App Stores oder auf dem Desktop-Ordner verstauben. In der heutigen digitalen Welt ist Performance nicht nur ein nettes Extra, sondern eine absolute Notwendigkeit, um Nutzer zu binden und erfolgreich zu sein. Vernachlässigte Performance kann den Unterschied zwischen einem gefeierten Produkt und einem unbrauchbaren digitalen Werkzeug bedeuten.

Dieser Artikel beleuchtet die 15 häufigsten Performance-Fehler, die Apps unbrauchbar machen können. Wir werden tief in die technischen Hintergründe eintauchen, aber auch konkrete Beispiele und praktische Lösungsansätze präsentieren, die sowohl für Entwickler als auch für technisch interessierte Nutzer verständlich sind. Von übermäßiger Datenübertragung bis hin zu schlechtem Speichermanagement – diese Fallstricke lauern überall und können selbst die besten Konzepte zum Scheitern bringen. Indem wir diese Fehler verstehen und proaktiv angehen, können wir sicherstellen, dass unsere Anwendungen nicht nur funktionieren, sondern auch glänzen und den Nutzern ein reibungsloses, positives Erlebnis bieten.

1. Übermäßiger Netzwerkverkehr und ineffiziente Datenübertragung

Eine der häufigsten Ursachen für langsame und frustrierende App-Erlebnisse ist die Art und Weise, wie Daten über das Netzwerk gesendet und empfangen werden. Wenn eine Anwendung ständig große Datenmengen hin und her schickt, ohne dies zu optimieren, kann dies zu spürbaren Verzögerungen führen, insbesondere bei langsameren Internetverbindungen oder mobilen Netzwerken. Dies betrifft das initiale Laden von Inhalten, aber auch laufende Synchronisationen oder die Aktualisierung von Informationen. Nutzer erwarten, dass Informationen schnell verfügbar sind, und jeder zusätzliche Moment des Wartens kann ihre Geduld strapazieren.

1.1. Unkomprimierte und übermäßige Bild- und Mediendateien

Bilder, Videos und andere Mediendateien machen oft den größten Teil des Datenvolumens aus, das eine App überträgt. Wenn diese Dateien nicht komprimiert sind oder unnötig hohe Auflösungen haben, wird die Ladezeit erheblich verlängert. Stellen Sie sich eine Galerie-App vor, die Tausende von hochauflösenden Fotos im Originalformat lädt, anstatt optimierte Versionen bereitzustellen. Dies bindet nicht nur Bandbreite, sondern verbraucht auch unnötig Speicherplatz und verlangsamt das Rendering auf dem Bildschirm. Die Lösung liegt in der Verwendung von modernen Bildformaten wie WebP, die eine bessere Komprimierung bei vergleichbarer Qualität bieten, sowie in der bedarfsgerechten Ladung von Medieninhalten, anstatt alles auf einmal zu holen.

Für Entwickler ist es essenziell, Bildoptimierungswerkzeuge in ihren Workflow zu integrieren. Bibliotheken und Frameworks bieten oft integrierte Funktionen zur automatischen Größenanpassung und Komprimierung. Es ist auch ratsam, verschiedene Bildqualitätsstufen zu definieren, die basierend auf dem Gerätestandard oder der Netzwerkgeschwindigkeit geladen werden können. Weitere Informationen zur Bildoptimierung für das Web finden Sie beispielsweise auf der offiziellen Dokumentation des Web-Standards, die auch für mobile Anwendungen wertvolle Einblicke bietet.

Web Performance: Image Optimization

1.2. Unnötige API-Aufrufe und übermäßig große Datenpakete

Jede Anfrage an einen Server, sei es zum Abrufen von Benutzerdaten, Produktinformationen oder Einstellungen, ist ein Netzwerkaufruf. Wenn eine App zu viele separate, kleine Anfragen sendet, anstatt mehrere Datenpunkte in einer einzigen, größeren Anfrage zu bündeln, kann dies die Latenz erhöhen und die Serverlast unnötig steigern. Ebenso können API-Antworten unnötig große Datenmengen enthalten, die die App nur teilweise benötigt. Ein gutes hierfür ist das Abrufen von Benutzerprofilen, bei denen vielleicht nur der und das Profilbild benötigt werden, aber die gesamte Datenbankstruktur als Antwort zurückkommt.

Die Strategie hierbei ist, die Anzahl der API-Aufrufe zu minimieren und die Größe der übertragenen Daten zu reduzieren. Dies kann durch Techniken wie „Batching“ von Anfragen erreicht werden, bei denen mehrere Anfragen zu einer einzigen zusammengefasst werden. Darüber hinaus sollten APIs so konzipiert sein, dass sie nur die wirklich benötigten Daten zurückgeben. GraphQL ist beispielsweise eine Technologie, die es Clients ermöglicht, genau die Daten anzufordern, die sie benötigen, was zu deutlich effizienteren Abfragen führt. Die Dokumentation zu RESTful API-Designprinzipien bietet hierfür ebenfalls gute Leitlinien.

RESTful API Design Best Practices

1.3. Fehlende oder ineffiziente Caching-Strategien

Daten, die sich nicht häufig ändern, sollten idealerweise lokal gespeichert (gecacht) werden, um wiederholte Netzwerkaufrufe zu vermeiden. Wenn eine App beispielsweise bei jedem Öffnen die gleichen Produktlisten vom Server abruft, anstatt sie aus einem lokalen Cache zu laden, verschwendet sie unnötig Bandbreite und Zeit. Ein gut durchdachtes Caching ist entscheidend für eine reaktionsschnelle Anwendung. Dies gilt sowohl für Daten als auch für Ressourcen wie Bilder und Konfigurationsdateien. Ein überladener Cache, der zu oft invalidiert wird, kann jedoch auch zu Problemen führen, da die App dann doch wieder auf das Netzwerk zugreifen muss.

Entwickler sollten sich klare Caching-Strategien überlegen: Welche Daten können wie lange zwischengespeichert werden? Wie wird der Cache aktualisiert, wenn sich die Daten ändern? Techniken wie die Verwendung von HTTP-Headern zur Steuerung des Caching-Verhaltens auf Client- und Serverseite oder die Implementierung von lokalen Datenbanken für persistente Daten sind hierfür unerlässlich. Die Überlegungen zum Caching sind auch im Kontext von Webanwendungen von großer Bedeutung, wo die Konzepte oft übertragbar sind.

HTTP Caching

2. Unzureichendes Speichermanagement und Speicherlecks

Speicher ist eine begrenzte Ressource, und wenn eine App diesen nicht effizient verwaltet, kann dies zu Leistungsproblemen bis hin zum Absturz führen. Speicherlecks, bei denen nicht mehr benötigte Speicherbereiche nicht freigegeben werden, sind ein besonders heimtückischer Fehler, der sich über die Zeit hinweg aufbaut und die App immer langsamer macht.

2.1. Nicht freigegebene Objekte und Ressourcen

Ein klassisches Speicherleck entsteht, wenn Objekte oder Ressourcen, die nicht mehr aktiv verwendet werden, vom System nicht zur Wiederverwendung freigegeben werden. Dies kann beispielsweise bei Verbindungen zu Datenbanken, Netzwerk-Streams oder auch komplexen Objekten geschehen, die versehentlich Referenzen auf sich selbst behalten. Über die Zeit sammelt sich so immer mehr ungenutzter Speicher an, was die verfügbare Speicherkapazität des Geräts reduziert und die App sowie das gesamte System verlangsamt.

Entwickler müssen sorgfältig darauf achten, dass alle Ressourcen, die sie öffnen oder anfordern, auch wieder ordnungsgemäß geschlossen und freigegeben werden, sobald sie nicht mehr benötigt werden. Dies erfordert ein gutes Verständnis des Lebenszyklus von Objekten und der Speicherverwaltung des jeweiligen Betriebssystems oder der Programmiersprache. Debugging-Werkzeuge können helfen, solche Lecks aufzuspüren, indem sie die Speichernutzung über die Zeit hinweg beobachten. Die Dokumentation zu den Garbage-Collection-Mechanismen der jeweiligen Plattform ist hierbei eine wichtige Ressource.

Java Virtual Machine Garbage Collection Ergonomics

2.2. Übermäßige Nutzung von temporären Objekten

Während die Freigabe von nicht mehr benötigten Objekten entscheidend ist, kann auch die übermäßige Erzeugung von temporären Objekten, die nur für einen sehr kurzen Zeitraum existieren, die Performance beeinträchtigen. Jeder Aufruf zur Objekterzeugung und anschließenden Freigabe kostet Rechenzeit. Wenn eine App beispielsweise in einer Schleife ständig neue, kleine Objekte erstellt und verwirft, kann dies den Garbage Collector übermäßig belasten und die Ausführung verlangsamen. Dies ist besonders relevant in performancekritischen Pfaden wie Grafikrendering oder Datenverarbeitung.

ist ein Ansatz zur Optimierung: Wenn möglich, sollten Objekte wiederverwendet werden, anstatt ständig neue zu erzeugen. Dies kann durch Objekt-Pooling-Mechanismen erreicht werden, bei denen eine Sammlung von Objekten vorgehalten und bei Bedarf wiederverwendet wird, anstatt sie jedes Mal neu zu erstellen. Dies reduziert die Belastung durch die Objekterzeugung und die anschließende Garbage Collection erheblich. Die Prinzipien der Algorithmenoptimierung, die sich mit der Effizienz von Berechnungen befassen, sind hierbei oft relevant.

Object Pooling Design Pattern

2.3. Unnötiges Laden großer Datensätze in den Speicher

Manche Apps neigen dazu, ganze Datensätze oder umfangreiche Konfigurationsdateien auf einmal in den Arbeitsspeicher zu laden, selbst wenn nur ein kleiner Teil davon gerade benötigt wird. Dies kann bei großen Datenbanken oder umfangreichen Konfigurationen schnell zu einem Speicherengpass führen. Stellen Sie sich eine Musik-App vor, die die Metadaten aller Songs auf dem Gerät gleichzeitig lädt, anstatt die Informationen nur bei Bedarf abzurufen. Dies bindet nicht nur wertvollen Speicher, sondern kann auch den Start der App erheblich verzögern.

Die Lösung liegt in der Implementierung von „Lazy Loading“ oder „Virtualisierung“. Das bedeutet, Daten werden erst geladen, wenn sie tatsächlich benötigt werden, oder nur die aktuell sichtbaren Elemente einer Liste werden in den Speicher geladen und andere dynamisch nachgeladen, wenn der Nutzer scrollt. Dies reduziert den Speicherbedarf drastisch und verbessert die Reaktionsfähigkeit der Anwendung erheblich. Die Konzepte der Datenstrukturoptimierung und effizienten Datenzugriffs sind hierbei von großer Bedeutung.

Optimizing App Memory Allocation

3. Langsame Benutzeroberfläche und träge Interaktionen

Eine App, die nicht flüssig auf Benutzereingaben reagiert, fühlt sich unprofessionell und frustrierend an. Träge Benutzeroberflächen sind ein direkter Spiegelbild von schlecht optimiertem Code, insbesondere im Hinblick auf die Verarbeitung von Events und das Rendering von Elementen.

3.1. Blockierende Haupt-Threads (UI-Thread)

In den meisten App-Architekturen gibt es einen Haupt-Thread, der für die Aktualisierung der Benutzeroberfläche und die Verarbeitung von Benutzerinteraktionen zuständig ist. Wenn lange laufende Operationen – wie z.B. komplexe Berechnungen, Netzwerkabfragen oder das Parsen großer Datenmengen – direkt auf diesem Haupt-Thread ausgeführt werden, blockiert dies die Benutzeroberfläche. Der Nutzer sieht dann eine eingefrorene App, die nicht auf seine Eingaben reagiert. Dies ist ein häufiger Grund für eine schlechte Nutzererfahrung.

Die Lösung ist die Auslagerung langwieriger Operationen auf Hintergrund-Threads. Dies ermöglicht es dem Haupt-Thread, weiterhin auf Benutzereingaben zu reagieren und die Benutzeroberfläche flüssig zu halten. Sobald die Hintergrundoperation abgeschlossen ist, werden die Ergebnisse sicher an den Haupt-Thread zurückgegeben, um die Benutzeroberfläche zu aktualisieren. Asynchrone Programmierung und die Nutzung von Multithreading-Frameworks sind hierbei entscheidend. Viele moderne Programmierparadigmen bieten eingebaute Unterstützung für asynchrone Operationen.

Threads and Performance

3.2. Ineffizientes Rendering von UI-Elementen

Das Zeichnen von Elementen auf dem Bildschirm ist eine rechenintensive Aufgabe. Wenn eine App viele UI-Elemente gleichzeitig rendert, diese unnötig oft neu zeichnet oder komplexe Layouts verwendet, die viele Neuberechnungen erfordern, kann dies zu Rucklern und langsamen Übergängen führen. Dies tritt besonders häufig in Listenansichten mit vielen Elementen oder auf Geräten mit geringerer Grafikleistung auf. Ein ist das wiederholte Neuzeichnen einer gesamten Liste, nur weil sich ein einzelnes Element geändert hat.

Optimierungsmöglichkeiten umfassen die Minimierung der Anzahl der Neuzeichnungen („Invalidations“) durch intelligente Aktualisierungsstrategien. Nur die wirklich geänderten Teile der Benutzeroberfläche sollten neu gezeichnet werden. Darüber hinaus ist die Verwendung von effizienten Layout-Strukturen und die Vermeidung von verschachtelten Layouts wichtig. Plattformspezifische Rendering-Optimierungen, wie beispielsweise die Nutzung von Virtualisierung für Listen, können die Performance erheblich verbessern. Die Prinzipien der Computergraphik sind hierbei von grundlegender Bedeutung.

Optimizing Drawing in Cocoa

3.3. Übermäßige Nutzung von Animationen und Übergängen

Während gut gemachte Animationen das Nutzererlebnis erheblich verbessern können, können übermäßig viele oder schlecht implementierte Animationen die Performance stark beeinträchtigen. Wenn Animationen nicht flüssig ablaufen, sondern ruckeln, wirkt die gesamte App träge. Dies liegt oft daran, dass die Animationen den Haupt-Thread überlasten oder zu viele Grafikressourcen beanspruchen. Das ständige Ein- und Ausblenden von Elementen oder komplexe Bildschirmübergänge können hierbei schnell zum Problem werden.

Es ist ratsam, Animationen sparsam und gezielt einzusetzen. Sie sollten die Benutzerführung unterstützen und das Gefühl der Geschwindigkeit vermitteln, anstatt es zu verlangsamen. Die Nutzung von hardwarebeschleunigten Animations-APIs und die Reduzierung der Anzahl der gleichzeitig laufenden Animationen sind entscheidend. Testen Sie Animationen auf verschiedenen Geräten, um sicherzustellen, dass sie auf einer breiten Palette von Hardware flüssig laufen. Die Prinzipien des User Experience Designs spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Motion: Speed and Responsiveness

4. Ineffiziente Algorithmen und Datenstrukturen

Die Wahl der richtigen Algorithmen und Datenstrukturen ist fundamental für die Performance einer Anwendung. Selbst mit optimiertem Code können schlecht gewählte Methoden zu exponentiellem Zeitaufwand führen, was die App unbrauchbar macht, sobald größere Datenmengen oder komplexere Szenarien auftreten.

4.1. Ungünstige Wahl von Algorithmen (z.B. quadratische Komplexität statt logarithmischer)

Manche Algorithmen haben eine schlechte Zeitkomplexität, was bedeutet, dass ihre Ausführungszeit mit der Größe des Inputs überproportional ansteigt. Ein Algorithmus mit quadratischer Komplexität (O(n²)) wird beispielsweise bei doppelt so vielen Daten viermal so lange brauchen. Wenn eine App solche Algorithmen für Kernoperationen verwendet, wie z.B. das Suchen in einer großen Liste, kann dies zu extrem langen Wartezeiten führen. Dies ist besonders kritisch in datenintensiven Anwendungen.

Die Lösung besteht darin, die mathematischen Grundlagen der Algorithmen zu verstehen und effizientere Alternativen zu wählen. Anstelle eines einfachen Suchalgorithmus, der jede einzelne Position prüft, könnte beispielsweise ein binärer Suchalgorithmus verwendet werden, der nur logarithmische Zeit (O(log n)) benötigt, vorausgesetzt die Daten sind sortiert. Die Implementierung von effizienten Sortier- und Suchalgorithmen ist hierbei von entscheidender Bedeutung. Ein Verständnis von Komplexitätsklassen wie O(n), O(log n), O(n log n) und O(n²) ist essenziell.

Big O Notation

4.2. Ungeeignete Datenstrukturen für spezifische Aufgaben

Ähnlich wie bei Algorithmen kann die Wahl der falschen Datenstruktur die Performance negativ beeinflussen. Wenn beispielsweise eine Liste, die häufige Einfüge- und Löschoperationen erfordert, als Array implementiert ist, sind diese Operationen ineffizient. Umgekehrt ist die Suche in einem Array oft schneller als in einer verketteten Liste, wenn die Daten sortiert sind.

Die Auswahl der richtigen Datenstruktur hängt stark von den spezifischen Anforderungen der Anwendung ab. Sollten Elemente häufig gesucht, eingefügt oder gelöscht werden? Braucht man eine geordnete oder ungeordnete Sammlung? Gängige Datenstrukturen wie Arrays, verkettete Listen, Hash-Tabellen, Bäume und Graphen haben jeweils ihre Stärken und Schwächen. Ein tiefes Verständnis dieser Strukturen und ihrer Leistungseigenschaften ist notwendig, um die optimale Wahl zu treffen. Die Vorlesungsmaterialien zu Datenstrukturen und Algorithmen an Universitäten bieten hierfür oft einen guten Überblick.</

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